{"id":1222,"date":"2025-07-08T14:21:52","date_gmt":"2025-07-08T12:21:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vieleinseln.de\/?p=1222"},"modified":"2025-10-08T09:19:50","modified_gmt":"2025-10-08T07:19:50","slug":"auf-zum-dialogischen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vieleinseln.de\/?p=1222","title":{"rendered":"Auf zum Dialogischen\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Eine kleine Unterscheidung von \u201einnen\u201c und \u201eau\u00dfen\u201c kirchlicher Ver\u00e4nderungsprozesse durch hypnosystemische Anregung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWir m\u00fcssen innovativer werden\u201c. \u201eWir m\u00fcssen die 90% erreichen, die wir jetzt noch nicht erreichen\u201c. \u201eWir brauchen ganz neue und andere Angebote, um die Botschaft an den Mann zu bringen\u201c. \u201eWir m\u00fcssen an die Hecken und Z\u00e4une\u201c. \u201eDer Klimawandel ist kein Randthema f\u00fcr uns\u201c. \u201eDie Ressourcen sind knapp und schwinden immer mehr\u201c. \u201eDas alte geht nicht mehr\u201c\u2026&nbsp;<br>Kirche ist unter Druck, k\u00f6nnte man sagen. Oder zumindest ist die Situation eher eine belastende als eine befreiende. Wenn man dann noch Missbrauchsskandale, Finanzsituationen, Auseinandersetzungen auf theologischer Ebene mit in die Gesamtbetrachtung nimmt, ist Kirche wirklich arm dran. Sozusagen in Burn-Out-Gefahr. Egal, was man macht, die Mitgliederzahlen sinken. Die Finanzen gehen den Bach runter \u2013 und kaum hat man an einer Ecke einen kleinen Lichtblick, beschw\u00f6rt jemand von anderer Seite dunkle Wolken herbei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von solchen Grenzerfahrungen berichten auch Protagonisten mancher neuen Wege in der Pastoral. Mit voller Kraft rein ins Neue; erfolgreich innovative Projekte aufgesetzt, aber schon recht z\u00fcgig kommen die eigenen Ressourcen an ihre Grenzen und es gibt keinen Nachschub von au\u00dfen. (vgl. Citypastoral Fulda, beschrieben auf katholisch.de).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten Wochen habe ich mir Audioaufnahmen von einer Fortbildung mit Gunther Schmidt wieder einmal angeh\u00f6rt. \u201eVom Burnout zur hypnosystemischen Balance-Kompetenz\u201c, so war die Veranstaltung, an der ich im Jahr 2016 teilgenommen habe, betitelt. Inspiriert davon ist der Vergleich der Burnout-Situation einzelner mit dem der Kirche. Auch wenn man sicherlich dar\u00fcber streiten kann, ob der Burn-Out-Vergleich angebracht ist oder nicht. Aber von Belastung kann man sicherlich reden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wahrscheinlich ist diese Inspiration unterf\u00fcttert von zwei Aspekten meiner eigenen Verarbeitung kirchlichen Daseins: Ich habe noch nie ganz verstanden vom wem die Rede ist, wenn es hei\u00dft \u201ewir\u201c (vgl. oben \u201ewir m\u00fcssen\u2026\u201c) und gemeint ist damit die Kirche (ganz egal, wer da spricht, ob Bischof, Pfarrer, Gemeindemitglied). Es wird selbstverst\u00e4ndlich davon ausgegangen, dass \u201edie Kirche\u201c als Subjekt immer klar beschreibbar ist, trotz der Unterschiedlichkeiten innerhalb der Organisation (Hierarchie, Hauptamt, Ehrenamt, Kirchenmitglieder, Getaufte, Engagierte,\u2026) und grunds\u00e4tzlich von der Begrifflichkeit \u201eKirche\u201c her.<br>Zudem kann ich zwar inhaltlich bei vielen Aspekten der Ver\u00e4nderung mitgehen (Innovation, alte Muster \u00fcberwinden), aber ich war noch nie ein Freund von Aktionismus und schon mal gar nicht von Event-Kultur. Das sei mir nachgesehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\u00fcck zu Herrn Schmidt, besser zu hypnosystemisch.<br>Systemisch hei\u00dft ja (neben anderen Aspekten, die ich hier der K\u00fcrze wegen vernachl\u00e4ssige): Soziale Systeme (dazu geh\u00f6rt ja auch Kirche, aber auch der einzelne Mensch, Familien, Pfarreien\u2026 etc) sind prim\u00e4r \u00fcber ihre Interaktionen mit relevanten Umwelten zu beschreiben. Systeme m\u00fcssen sich abgrenzen, um sich \u00fcberhaupt zu definieren und \u00fcberlebensf\u00e4hig zu sein. Und schon an dieser Stelle beginnt Interaktion mit der Umwelt\/den Umwelten.<br>Wenn sich ein System ver\u00e4ndern soll, dann geht das nur \u00fcber die Interaktionen der sozialen Systeme. Dazu hilft nicht ein \u201eVer\u00e4ndere dich\u201c. Nur \u00fcber die Spielregeln, \u00fcber die Kommunikation kann die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr Ver\u00e4nderungen erh\u00f6ht werden.&nbsp;<br>Der aktuelle Ansatz kirchlicher Ver\u00e4nderungen scheint sich unter \u201eF\u00fcr wen sind wir da\u201c (zumindest nehmen viele Bisch\u00f6fe und Pastoraltheologen diese Formulierung in den Mund) ein wenig zusammenfassen zu lassen und beschreibt genau diese Ver\u00e4nderung der Interaktion zu relevanten Umwelten der Kirche. Scheinbar versucht man durch ver\u00e4nderte Kommunikation (auf allen Kan\u00e4len inkl. Social Media) sich selbst zu ver\u00e4ndern, in dem man nach au\u00dfen wirkt: Bessere Angebote (auch eine Form von Kommunikation), bessere Selbstdarstellung, bessere Mitarbeiterinnen, \u2026 alles besser nach au\u00dfen hin. Und gemacht werden soll das alles von \u201einnen\u201c, also von \u201eder Kirche\u201c. Nat\u00fcrlich ist die Unterscheidung von innen und au\u00dfen hier aber unscharf und schlie\u00dft sich vielleicht meiner Wahrnehmung vom kirchlichen \u201ewir\u201c an. Es sprechen meist Bisch\u00f6fe, Priester, Theologinnen oder Berater*innen oder andere \u201eExperten\u201c \u00fcber diese erforderlichen Ver\u00e4nderungen. Aber keiner wei\u00df so genau, wer jetzt f\u00fcr wen da sein soll und welche Grenzen damit gezogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klar ist: Wenn ein System unter Druck steht, also besser gesagt die Wahrnehmung der Umst\u00e4nde so deutet, dass ein Erleben von \u201eDruck\u201c generiert wird, dann scheint doch fraglich, ob es hilfreich ist, noch mehr Druck durch weitere Anforderungen zu erzeugen i.S.v. \u201edas musst du auch noch tun! Sei anders, und k\u00fcmmere dich um die anderen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstverst\u00e4ndlich geh\u00f6rt zur christlichen Botschaft zentral der Blick auf den anderen. Und die Kirche (ich nehme diesen Begriff mal ganz entspannt in seiner Undifferenziertheit) hat die Aufgabe daf\u00fcr zu sorgen, dass die Christen diesem Teil der Botschaft Jesu gerecht werden k\u00f6nnen, sowohl formal organisiert als auch ganz \u201enormal\u201c im Alltag.<br>Und Ja, es gilt im Ver\u00e4nderungsprozess nicht nur Nabelschau zu betreiben, sondern sich der eigenen (kirchlichen und individuell christlichen) Sendung bewusst zu werden. Und dazu braucht es nat\u00fcrlich auch Angebote, Innovationen, etc.&nbsp;<br>Aber vielleicht noch nicht gleich.<br>Prozesse haben ja den Vorteil, dass eins nach dem anderen kommen kann, nichts f\u00fcr ewig bleiben muss, sondern sich im Blick auf das gr\u00f6\u00dfere Ziel weiterentwickeln darf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht bietet sich daher ein Aspekt an, den ich angeregt von Gunther Schmidt ins Spiel bringen will.<br>Wenn du unter Druck bist, macht es keinen Sinn den Blick sofort und nur auf die relevanten Umwelten zu richten, wenn dadurch noch mehr Druck entsteht. Der Druck entsteht durch die Erzeugung von Bedeutung in der Verarbeitung der Au\u00dfenreize (Mitgliederschwund, Relevanzverlust, Ressourcenknappheit aller Art etc). In Drucksituationen ist es nicht hilfreich noch mehr Druck zu erzeugen, sondern zuerst f\u00fcr Entlastung zu sorgen. Das wird mit der Frage \u201eF\u00fcr wen sind wir da\u201c schwierig.&nbsp;<br>So k\u00f6nnte es hilfreich sein, sich zuerst nach innen zu wenden, um andere Wahrnehmungsmuster zu suchen, zu finden, zu generieren \u2013 wie auch immer \u2013 die in der Verarbeitung der Au\u00dfenreize andere Bedeutungen generieren. Schmidt spricht im Blick auf die Person von neuronalen Netzwerken\/Mustern, f\u00fcr die Kirche passt vielleicht eher der Begriff von Peter Senge \u201ementale Modelle\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn es gelingt im Blick auf das h\u00f6here Ziel \u2013 z.B. die Wirksamkeit der befreienden Botschaft Jesu vom Reich Gottes in der Welt zu erh\u00f6hen \u2013 in der Kirche eine andere Kommunikation, andere Spielregeln, andere mentale Modelle zu entwickeln und wirksam werden zu lassen, dann ist die Chance gr\u00f6\u00dfer, dass der empfundene Druck nachl\u00e4sst und wieder Kraft und Energie da ist, in angemessener Weise auf die Welt, die Gesellschaft, das Au\u00dfen, die Hecken und Z\u00e4une zuzugehen. Und nat\u00fcrlich werden sich die Kommunikation, die Spielregeln und die mentalen Modelle an der entscheidenden relevanten Umwelt orientieren: Der befreienden Botschaft Jesu.<br>Ich schlage vor, sich dialogischer Kommunikation (ganz im Sinne von David Bohm und Hartkemeyer) zuzuwenden. F\u00fcr die hauptamtlich pastoralen Mitarbeiter empfiehlt sich die Lekt\u00fcre von Dorothea Steinbach und eine praktisch orientierte Ausrichtung am Effectuation-Kozept von Faschingbauer, damit das Volk Gottes ein wenig mehr polynesisch Segeln lernt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine kleine Unterscheidung von \u201einnen\u201c und \u201eau\u00dfen\u201c kirchlicher Ver\u00e4nderungsprozesse durch hypnosystemische Anregung. \u201eWir m\u00fcssen innovativer werden\u201c. \u201eWir m\u00fcssen die 90% erreichen, die wir jetzt noch nicht erreichen\u201c. \u201eWir brauchen ganz neue und andere Angebote, um die Botschaft an den Mann zu bringen\u201c. \u201eWir m\u00fcssen an die Hecken und Z\u00e4une\u201c. \u201eDer&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":137,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-1222","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-dialog"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.vieleinseln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/daniel-mccullough-539577-unsplash.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vieleinseln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1222","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vieleinseln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vieleinseln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vieleinseln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vieleinseln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1222"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.vieleinseln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1222\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1223,"href":"https:\/\/www.vieleinseln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1222\/revisions\/1223"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vieleinseln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/137"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vieleinseln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1222"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vieleinseln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1222"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vieleinseln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1222"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}