{"id":1237,"date":"2025-07-01T14:29:14","date_gmt":"2025-07-01T12:29:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vieleinseln.de\/?p=1237"},"modified":"2025-10-08T09:19:14","modified_gmt":"2025-10-08T07:19:14","slug":"wie-kirche-und-organisationen-mit-effectuation-der-ungewissheit-begegnen-koennen-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vieleinseln.de\/?p=1237","title":{"rendered":"Wie Kirche (und Organisationen) mit Effectuation der Ungewissheit begegnen k\u00f6nnen (II)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alles beginnt mit Jesus\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Effektuierer startet mit einem Handlungsanlass. Im Kontext Kirche br\u00e4uchte es hier einen expliziten oder auch impliziten Bezug zur frohen Botschaft Jesu. Aus diesem Bezug sp\u00fcrt der Christ einen Handlungsimpuls im Blick auf eine konkrete Situation. Theologisch k\u00f6nnten wir hier auch vom Wirken des Heiligen Geistes sprechen. Es kann sein, dass es um ganz klassische Felder in Kirche geht (wie z.B. Katechese) oder auch ganz neue Wege (Kneipenpastoral).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Unterschied im Effectuation-Kontext ist jetzt, dass der Handlungsanlass nicht zum Schreibtisch f\u00fchrt, um ein Konzept fertig zu stellen und einen Plan zu entwickeln. Dieses Verfahren wird sich im Blick auf die unsichere Zukunft im kirchlichen Kontext nicht bew\u00e4hren. Es widerspricht auch der Perspektive des Geistes, der durch planerisches Vorgehen beschr\u00e4nkt wird. Damit wird auch ein Lernprozess unterbunden. Aktuell f\u00e4llt es meines Erachtens kirchlichen Akteuren noch sehr schwer \u2013 trotz der ungewissen Zukunft und trotz der Erfahrung, dass alles Planen und Konzeptionieren nicht wirklich weiterf\u00fchrt \u2013 vom Schreibtisch weg zu bleiben oder den konzeptionierenden Sitzungsmodus zu verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den ersten Schritt mit den eigenen Mitteln gehen (#Mittelorientierung)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eMittel k\u00f6nnen sein, was den Menschen auszeichnet.\u201c, schreibt Eric Heinen-Konschak. Aus christlicher Perspektive hei\u00dft das: Charisma, von Gott gegebene Gaben, Talente, Begabungen, die f\u00fcr die Gemeinschaft ins Spiel gebracht werden. Dazu alles an Erfahrungen und angeeigneten Kompetenzen. Verbunden mit dem, was man vom Evangelium verstanden hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu die Menschen um einen herum, in n\u00e4chster N\u00e4he, aber auch in der Gemeinde vor Ort, der kirchlichen und der politischen. Und das eigene Netzwerk, das sich in den Jahren entwickelt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mittelorientierung ergibt sich organisch aus der frohen Botschaft. Es braucht gar nicht viel! Mit dem arbeiten, was da ist: F\u00fcnf Brote und zwei Fische.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist: Bewusst Partner f\u00fcr die konkrete Sache suchen \u2013 und nicht nur in der Komfortzone!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht alles auf eine Karte setzen (#Leistbarer Verlust)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Wirtschaftskontext gibt es eine Erfolgskategorie, die f\u00fcr Kirche so nicht gilt: finanzieller Gewinn. Das ist eine \u00fcberlebensnotwendige Kategorie f\u00fcr Unternehmen. Sie verschwinden einfach, wenn es keinen finanziellen Erfolg gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kirche ist da letztlich anders gestrickt. Gerade in Deutschland ist die Finanzierung des Systems durch die Kirchensteuer mehr oder minder gesichert, auch wenn der Umfang des Konstrukts vielleicht nicht dauerhaft finanzierbar ist. Und selbst, wenn es keine Finanzierung dieser Art mehr gibt: Kirche wird es geben. Dann braucht es nat\u00fcrlich Finanzierung, aber eben keinen Gewinn, um weiterhin Kirche zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So bezieht sich der leistbare Einsatz sicherlich auch auf finanzielle Ressourcen, die \u00fcberhaupt erstmal erschlossen werden m\u00fcssen. Aber es gibt in diesem Sinne kein richtiges Risiko, wenn man sich finanziell \u201everkalkuliert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der leistbare Einsatz bezieht sich somit prim\u00e4r auf Zeit oder Ansehen \u2013 und zwar des eigenen aber auch das der \u201ePartnerschaften\u201c. Dennoch sollte man auf keinen Fall die finanzielle Perspektive au\u00dfer Acht lassen. Das gebietet schon der verantwortliche Umgang mit der Ressource Geld.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Partnern neue Mittel nutzen und neue Wege finden (#Partnerschaften)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die frohe Botschaft zielt grunds\u00e4tzlich darauf ab, dass sich zwei oder drei (oder mehr) zusammentun. Das ist Kern des Christentums. So macht es Sinn, dass der christliche Effektuierer sich mit einigen seiner Br\u00fcder und Schwestern zusammensetzt und sie als Partner*in f\u00fcr seinen Handlungsimpuls zu gewinnen sucht. Das w\u00fcrde das Portfolio der Charismen, der zeitlichen und finanziellen Mittel deutlich erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein guter Impuls k\u00f6nnte sein: Geh noch einen Schritt weiter und \u00fcberlege, wer au\u00dfer deinen Br\u00fcdern und Schwestern, die du kennst, k\u00f6nnte f\u00fcr die Sache noch hilfreich sein. Suche nach einer \u201eKoalition der Wollenden\u201c \u2013 das schlie\u00dft gut an die \u201eMenschen guten Willens\u201c an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine zweiter Impuls: Mach dein Projekt sichtbar, so dass andere dich finden k\u00f6nnen. Mach deutlich, dass du offen bist f\u00fcr Partner, sei einladend und transparent, auf das dahinterliegende Ansinnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und je mehr das sich entwickelnde Projekt gef\u00fcllt wird mit Menschen, die sich ganz im Sinne des Evangeliums auf Augenh\u00f6he begegnen, so wie Eric Heinen-Konschak es beschreibt, desto gr\u00f6\u00dfer wird die Wahrscheinlichkeit, dass kreative L\u00f6sungen f\u00fcr den urspr\u00fcnglichen Handlungsanlass entstehen. In Kirche begegnet einem oft die Botschaft: Nat\u00fcrlich sind wir offen, jeder darf mitmachen und sich einbringen. Aber letztlich steht dahinter: Er oder sie darf bei dem mitmachen, was wir schon immer tun. Und das \u201eEinbringen\u201c beschr\u00e4nkt sich dann schlimmstenfalls auf den Kuchen, der f\u00fcrs Pfarrfest gebacken werden darf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuf\u00e4lle als Chance sehen und nicht als Bedrohung (#Zufall)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Neue braucht ein ausreichendes Ma\u00df an Ungewissheit. Da zur Zeit in Kirche viel dar\u00fcber gesprochen wird, dass etwas anders werden muss, braucht es wohl das \u201eNeue\u201c. Entscheidendes Problem: Kontrolle aufgeben. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass Kontrolle mit Risiko minimierendem, zielgerichtetem Vorgehen bei unsicherer Zukunft nicht hilfreich ist. Das f\u00e4llt kirchlichen Akteuren schwer. Vor allem Leitungsverantwortlichen. Es wirkt immer das Misstrauen gegen\u00fcber anderen Beteiligten, dass sie die Lehre der Kirche nicht achten, dass sie \u201eunm\u00f6gliche\u201c Dinge tun, die dann auf die Verantwortlichen zur\u00fcckfallen in der Verantwortung gegen\u00fcber der n\u00e4chst h\u00f6heren Instanz. Das ist meines Erachtens gar kein bewusster Vorgang, sondern liegt als tiefsitzendes mentales Modell im System.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man der Praxis Jesu folgen w\u00fcrde, w\u00e4re es leichter mit Kontrollverlust und Zuf\u00e4llen zu arbeiten. Zumal der Kontrollverlust ja nur ein scheinbarer Verlust ist. Tats\u00e4chlich gewinnt der Effectuierer Kontrolle \u00fcber sich und sein Vorgehen, da er sich der Ungewissheit der Zukunft stellt, seinem Handlungsimpuls mit Kraft, Energie und einer klaren Perspektive des leistbaren Verlustes folgt. Und die vermeintliche Kontrolle gibt es ja gar nicht, die ist nur ein \u201eFake\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Effectuation ist eine Haltung, die am Start von neuen Vorhaben im Ungewissen hilft<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Effectuation nimmt gut die befreiende Botschaft Jesu und die aktuelle Situation in Kirche ernst:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lass dich von der Botschaft Jesu und dem Heiligen Geist inspirieren und sp\u00fcre, wo dein Handeln gefragt ist (Handlungsimpuls).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle Menschen sind von Gott gut ausgestattet worden. Sieh zu, dass dieser Reichtum f\u00fcr das Reich Gottes ins Spiel gebracht wird \u2013 dein eigener und der deiner Br\u00fcder und Schwestern (nah &amp; fern, innen &amp; au\u00dfen).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lass dich von der Art und Weise, wie Jesus den Menschen begegnet ist anregen. Begegne deinen Partner*innen f\u00fcr deinen Handlungsimpuls auf Augenh\u00f6he, lass sie deine Begeisterung f\u00fcr die Sache sp\u00fcren, h\u00f6re zu und achte darauf, welche Beitrag sie zum Reich Gottes (das ja in deinem Handlungsgimpuls drin steckt) leisten k\u00f6nnen und wollen. Nimm die Kraft des kleinen Beitrags ernst!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und sei achtsam f\u00fcr das, was der Heilige Geist als Zufall in der Entwicklung deines Handlungsimpulses wirken will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So w\u00fcrde ich das Effectuation-Konzept auf Kirche beziehen. Wir bleiben dran, probieren aus und berichten hier davon.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles beginnt mit Jesus\u2026 Der Effektuierer startet mit einem Handlungsanlass. Im Kontext Kirche br\u00e4uchte es hier einen expliziten oder auch impliziten Bezug zur frohen Botschaft Jesu. 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